Geschichten zum Kalender – Augenblicke, von Mensch zu Mensch
Jeder Monat dieses Kalenders trägt ein Bild,
und jedes Bild trägt eine Geschichte.
Es sind Geschichten von Menschen, die mir auf meinen Reisen begegnet sind —
von Momenten, die sich nicht planen lassen,
sondern die uns finden.
Manchmal zufällig,
manchmal geführt.
Diese Geschichten sind Einladungen:
zum Nachspüren, zum Innehalten, zum Nachdenken.
Sie erzählen von Menschlichkeit, von Tiefe, von Verbindung,
von der Vielfalt unserer Welt
und den Fäden, die uns alle miteinander weben.
Möge jede Geschichte dich berühren,
Anklang in deinem Herzen finden
und einen Augenblick lang daran erinnern,
dass wir Menschen einander näher sind,
als wir glauben.
Klicke auf die Monate und lass die Bilder sprechen.
JANUAR – Fès, Marokko

Fès war eine der ersten Städte, die ich 2010 in Marokko besucht habe. Damals kannte ich solche Orte nur aus Geschichten — aus Aladdin, aus 1001 Nacht, aus Erzählungen über ferne Welten, in denen Gassen lebten und Farben sprachen. Als ich zum ersten Mal durch diese Stadt ging, war es, als würde eine dieser Geschichten Wirklichkeit werden.
Es war überhaupt meine erste richtige Reise. Sie begann ganz unscheinbar — mit einem günstigen Flug nach Spanien. Nach nur einem Tag setzte ich über eine Begegnung mit der Fähre nach Marokko über, ohne Plan, ohne Erwartungen. Und genau dadurch begann sich etwas Unberechenbares zu öffnen: Die Reise entwickelte sich von selbst. Ich folgte keiner Route, keinem Plan, sondern meinem Gefühl — einem inneren Kompass, der mich in Resonanz mit der Welt leitet. Und sie prägte alles, was danach kam: dieses Vertrauen, mich von Städten, Wegen und Begegnungen führen zu lassen.
Die Souks von Fès fühlten sich an wie ein lebendiges Labyrinth. Verlaufen gehört hier zum Programm, denn die Medina ist eine der größten und ältesten der Welt — mit über neuntausend Gassen, die sich Jahrhunderte kaum verändert haben. Je tiefer man hineingeht, desto mehr verschwindet die Zeit. Händler rufen, Gewürze duften, Schritte hallen über Steinböden, die schon Generationen getragen haben.
Und dann, mitten im Gewirr, tauchen Menschen auf, die wirken, als seien sie selbst Teil dieser alten Mauern — ruhig, verwurzelt, im Rhythmus ihres Raumes. Der Mann auf diesem Bild verkörpert für mich genau das: eine Stille, die nicht von außen kommt, sondern aus einer tiefen Verbindung mit sich und der Welt.
Wenn ich heute an dieses Zitat denke — „Der Weg zeigt sich denen, die ihn gehen“ — dann ist es diese Reise, die mir als erste in den Sinn kommt. Ich habe damals gelernt, dass Wege entstehen, wenn man losgeht. Dass man geführt wird, wenn man vertraut. Und dass sich das Leben manchmal gerade dort offenbart, wo wir kein Ziel haben, aber ein offenes Herz.
Fès erinnert mich bis heute daran, wie sehr der Lebensfluss uns trägt,
wenn wir bereit sind,
uns ihm hinzugeben.
FEBRUAR – Diyarbakir, Türkei

Als ich damals in die Türkei reiste, war mein ursprüngliches Ziel das Dorf meiner Eltern. Ich wollte sehen, wo meine Wurzeln liegen, wo meine Familie gelebt, geliebt und gelitten hat. Doch nach wenigen Tagen zog es mich weiter. Ich folgte dem inneren Ruf, meine kurdischen Wurzeln zu erkunden.
Die Reise führte mich zuerst nach Hasankeyf, einer der ältesten Städte der Welt. Ein Ort, der über zehntausend Jahre hinweg Könige, Völker und Zivilisationen erlebt hatte — und der heute größtenteils unter dem Wasser eines Staudamms verschwunden ist. Ich hatte das Glück, die Stadt noch zu sehen, bevor sie im wahrsten Sinne des Wortes unter Wasser versank. Das Wissen darum machte jeden Moment sehr kostbar, sogar heilig.
Und schließlich erreichte ich Diyarbakir — eine Stadt, die ich lediglich als größte kurdische Stadt der Türkei kannte. Schwarze Basaltmauern, die einst römische, persische und mesopotamische Zeiten gesehen haben; Straßen, in denen Sprachen, Kulturen und Geschichten miteinander verschmelzen; gastfreundliche Menschen, deren Wesen Tiefe trägt.
Als ich an diesem Tag durch die Stadt ging, fiel mir ein Mann auf, der auf einer kleinen Wiese neben einer vielbefahrenen Straße lag. Sein Rücken ruhte auf einem schmalen Holzhocker, der ihn stützte — und seine Haltung war so ruhig und selbstverständlich, als würde er einfach zum Bild dieser Straße gehören.
Ich ging weiter, durch die Gassen und den Trubel der Altstadt. Als ich später erneut an derselben Stelle vorbeikam, lag er noch immer dort — in derselben Position, mit derselben Gelassenheit, unverändert wie ein stiller Punkt inmitten der Bewegung.
Nichts an ihm wirkte gehetzt, nichts suchend oder beschäftigt. Dort lag er, inmitten des Straßenlärms, mit einer Ruhe, die mich überraschte. Es war diese Selbstverständlichkeit, mit der ihn dort liegen sah, die mich innehalten ließ.
Genau hier zeigt sich für mich der große Kontrast zur westlichen Welt:
Es scheint, als ob im Westen Beschäftigtsein oft als Tugend gilt und Untätigkeit als Schwäche.
Im Orient jedoch hat Ruhe ebenso Raum. Sie darf sein. Sie wirkt nicht ungewöhnlich, nicht erklärungsbedürftig. Sie ist vor allem Teil des Wesens der Menschen.
Genau das nehme ich von diesen Reisen mit: dieses Gefühl von Gelassenheit, das sich in mir ausbreitet, diesen Raum, der sich öffnet, diese Zeit, die sich weitet.
Und immer wieder erinnert mich der Orient daran, meinen eigenen Rhythmus zu bewahren — unabhängig von dem Takt, der im Westen vorherrscht.
Darum entschied ich mich für das Zitat:
„Ohne Pausen wäre jede Musik nur Lärm.“
Auf dieser Reise habe ich verstanden, dass das Leben Pausen nicht nur erlaubt, sondern braucht.
Solche Reisen lehrten mich, dass Gelassenheit keine Belohnung sein muss.
Sie ist eine Haltung.
Ein innerer Rhythmus.
Ein Zuhause, das wir in uns selbst finden.
MÄRZ – Diyarbakir, Türkei

An diesem Tag in Diyarbakir sah ich zwei Brüder auf einem Motorrad an mir vorbeifahren — der ältere vielleicht vierzehn, der jüngere kaum sieben oder acht. Das Motorrad war schwer beladen, vollgestapelt mit Dingen, die sie für die Familie transportierten: Materialien für Handwerker, vielleicht Metallreste oder Müll, den Kinder dort häufig einsammeln. Nichts daran wirkte leicht. Es war sichtbare Schwerstarbeit für einen Körper, der eigentlich noch spielen sollte.
Der ältere Bruder saß vorne, aufrecht, konzentriert, mit einer Ernsthaftigkeit, die mich erschütterte. Der jüngere hielt sich fest, vertraute blind, als wäre sein Bruder nicht nur ein Fahrer, sondern sein Schutz, sein Halt, seine ganze Orientierung.
Und während sie vorbeifuhren, fragte ich mich, wo ihre Kindheit ist. Wie viel Raum bleibt für Unbeschwertheit, für Spiel, wenn die Verantwortung so früh auf den Schultern liegt?
Denn genau das sah ich in diesem Moment: ein Kind, das nicht nur ein Motorrad steuert, sondern die Last einer Familie trägt. Nicht aus Zwang, sondern aus Zugehörigkeit — aus der Selbstverständlichkeit des Miteinanders.
Solche Bilder begegnen einem häufig außerhalb Europas. Kinder, die arbeiten, weil sie gebraucht werden. Weil jede Hand zählt. Weil ihre Rolle im Familiengefüge nicht kleiner ist als die der Erwachsenen.
Und doch war da etwas, das mich tief berührte: die Verbundenheit der beiden Brüder. Der eine führt, während der andere vertraut. Gemeinsam tragen sie mehr, als man einem Kind jemals zumuten möchte — und gleichzeitig tragen sie eine Lebenserfahrung, die Kinder im Westen so nie machen.
In solchen Momenten wird mir bewusst, wie relativ Reichtum ist. Wie wenig er mit Besitz zu tun hat. Wie viel mit Verbindung, Wertschätzung und Zusammenhalt.
Das Bild erinnert mich daran, dass wahrer Reichtum oft dort zu finden ist, wo Menschen füreinander da sind,
wo Liebe gelebt wird
und wo die Natur als kostbares Geschenk wertgeschätzt wird.
Alles, was Geld nicht kaufen kann.
APRIL – Madre de Dios, Peru

2018 reiste ich für zwei Monate mit meinem jüngeren Bruder durch Südamerika — eine Zeit, die uns nicht nur näherbrachte, sondern uns auch spiegelte. Vor allem aber hat sie eine Freude in uns hervorgebracht, die wir miteinander teilten: die Offenheit für Begegnungen, das Staunen über die Welt und dieses brüderliche Gefühl, getragen zu sein und sich gleichzeitig gegenseitig Halt zu geben.
Die Reise begann in Bolivien, führte uns weit in den Süden bis nach Chile und dann zurück nach Peru. Wir überquerten den Titicacasee, durchstreiften das Heilige Tal und reisten schließlich weiter in den Regenwald von Madre de Dios.
Dort besuchten wir auch einen indigenen Stamm, den ich bis heute nicht vergessen kann. Wir lernten Bogenschießen, probierten ihr Essen, hörten Geschichten über ihre Kultur und über die unsichtbaren Fäden, die alles miteinander verbinden.
Am meisten berührte mich der Häuptling selbst. Seine Art war eine Mischung aus Tiefe und einer kindlichen Verspieltheit — eine Leichtigkeit, die neben seiner Würde in seinen funkelnden Augen existierte, ohne sie zu mindern. Er trug seine Kultur nicht nur in seiner Kleidung oder in der Art, wie er sich bewegte, sondern in seinem ganzen Wesen. Sein Dorf, sein Auftreten, seine Geschichten — alles schien darauf ausgerichtet, etwas zu bewahren, das er als Geschenk an die nächste Generation weitergeben wollte.
Und dann begann er zu musizieren.
Er spielte eine traditionelle Bambusflöte aus der Region — schlicht, warm und leicht in den Händen, aber voller Seele. Der Klang war weich und erdig. Es war diese Musik, die mich am tiefsten erreichte. Nicht laut, nicht hart — eher ein Ausdruck von innen nach außen, ein Atemzug der Ahnen, der sich durch ihn Bahn brach.
In seinen Melodien lag lebendige Geschichte. Man spürte die Generationen, die durch seine Stimme und durch sein Instrument weiterklangen — seine Ahnen, seine Kinder, sein Volk.
Darum habe ich mich für dieses Zitat entschieden:
„Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen.“
Dieses Zitat wurde mir schon als Kind mitgegeben, doch damals verstand ich es nicht.
Für mich klang es weniger wie ein Geschenk und mehr wie eine Bürde — als hätte ich als Kind die Verantwortung für all das Ungleichgewicht der Welt übernehmen müssen.
Ich fragte mich: Sollte es nicht eigentlich ein Geschenk der Erwachsenen sein, die uns eine schützenswerte Welt überreichen? Stattdessen fühlte es sich an, als würde ihre Last mit dem Ungleichgewicht der Welt auf unseren Schultern weitergetragen werden.
Hier im Regenwald verstand ich zum ersten Mal, wie tief dieses Zitat wirklich reicht — und wie anders es gemeint ist.
Hier wurde klar: Wir nehmen nicht nur, wir geben weiter. Wir leben nicht nur, wir schützen. Wir empfangen und wir bewahren.
Vielleicht war es genau das, was diese Reise mit meinem Bruder so bedeutungsvoll machte:
Dass wir beide — jeder auf seine Weise — gespürt haben, dass das Wertvollste, das wir hinterlassen können, nicht Dinge sind, die wir nehmen, sondern Geschichten und Erfahrungen, die wir teilen. Ein Bewusstsein dafür, wie wir die Welt erleben — und wie wir die Verbindung zu ihr weitergeben.
Ein Bewusstsein dafür, was unsere Ahnen auf sich nehmen mussten, um uns all diese kulturellen Schätze zu hinterlassen.
MAI – Essaouira, Marokko

Marokko ist ein Land, das sich bei jeder Reise neu gezeigt hat. Zwischen dem Mittelmeer und dem Atlantik, dem Atlasgebirge und der Sahara verbinden sich Welten: lebendige Küstenstädte, jahrtausendealte Königsstädte, Berberdörfer in den Bergen, weite Dünen, oasenhafte Täler und Gassen, die Geschichten erzählen. Mit jedem Besuch entdeckte ich etwas Neues.
Essaouira wurde mir oft empfohlen, und dennoch kam ich erst 2019 hierher. Nach kalten Tagen in Fes wollten wir weiter südlich, dorthin, wo es wärmer ist. Und genau dadurch bot sich Essaouira — nach jahrelanger Empfehlung — schlussendlich an.
Schon beim Ankommen beeindruckten mich die Farben der Stadt. Die weißen Mauern, durchzogen von kräftigem Blau, spiegelten das Zusammenspiel von Himmel und Atlantik wider. Der Wind trug den Geruch von Salz und Freiheit mit sich, die Wellen berauschten mit ihrem Klang gegen die alten Stadtmauern.
Die Gassen gleichen einem farbenfrohen Mosaik aus Gewürzen, Teppichen, Keramik, Musikinstrumenten, leuchtenden Stoffen und traditioneller Kunst. Zwischen all dem bewegen sich Menschen in einem Rhythmus, der langsam, herzlich und geerdet wirkt. Dabei scheint das Licht magisch durch die schmalen Wege und lässt die Stadt wie ein antikes Gemälde erscheinen — zeitlos, warm und farbenfroh.
Besonders der Fischerhafen hat mich berührt. Ein Ort, an dem der Tag vor Sonnenaufgang beginnt: Männer, die Netze flicken, unzählige blaue Holzboote, die im Wasser schaukeln, Möwen, die kreisend nach Fischresten Ausschau halten.
Der Hafen erzählt von Generationen von Fischern, deren Hände nicht nur Nahrung aus dem Meer holen, sondern ein Stück Menschheitskultur bewahren — eine Kultur von Fleiß, Gemeinschaft und tiefer Verbundenheit mit der Natur.
Essaouira ist außerdem ein Ort, an dem viele Kulturen ihren Platz gefunden haben: arabisch, amazigh, jüdisch, afrikanisch und europäisch. Die alten Synagogen, die bis heute bestehen, erinnern an die jüdische Gemeinschaft, die hier über Jahrhunderte lebte und das Stadtbild prägte. Diese Vielfalt ist nicht nur sichtbar — sie ist spürbar.
Und dann ist da die Musik, die den Alltag feierlich begleitet: nicht nur die traditionelle Gnawa-Musik, sondern auch alternative Musikfestivals, die Essaouira zum Treffpunkt für Künstler aus aller Welt machen. In Essaouira verschmelzen Kulturen — Musik wird hier zu einer Brücke zwischen Welten.
In dieser Stadt spürte ich, wie unterschiedlichste Menschen mit dem Rhythmus des Windes leben. Wie sie lernen, die Strömungen anzunehmen, anstatt Mauern dagegen aufzubauen.
Und genau das brachte mich zu dem Zitat dieses Monats:
„Wenn der Wind des Wandels weht, bauen manche Mauern, andere wiederum Segel.“
Essaouira erinnert mich daran, dass Veränderung Teil des Lebens ist.
Dass Freiheit nicht darin liegt, nur einer Sache nachzujagen und sich für alles andere zu verschließen,
sondern darin, dem Wind zu vertrauen
und die Segel entsprechend zu setzen.
JUNI – Konya, Türkei

Schon seit langem wollte ich den Tanz der Derwische mit eigenen Augen sehen – ihn mit dem Herzen erleben. Etwas daran hatte mich gerufen, obwohl ich nie zuvor dort gewesen war – zumindest nicht in diesem Leben.
Vielleicht aber auch, weil ich aus der alevitischen Tradition meiner Eltern ähnliche Sema-Bewegungen kannte. Denn im Alevitentum wird Sema während der Gebetszeremonie aufgeführt: kreisende Schritte, Bewegungen, die sich aus dem Herzen erheben und wieder dorthin zurückführen.
Hinzu kam Rumis Poesie, die mich schon Jahre davor erreicht hatte. Seine Worte trafen direkt ins Herz – vielleicht, weil sie aus seinem eigenen Herzen kamen. Ein Ausdruck von Liebe und Verbindung: mit sich selbst, mit Gott, mit dem Sein.
Dadurch wurde Konya für mich nicht einfach ein Reiseziel, sondern ein Ort innerer Begegnung.
Nicht nur Rumi ist hier begraben, sondern auch sein Lehrer Shams-e Tabrizi, der Rumis Leben tief geprägt hat. Ihre Beziehung, ihr Austausch, ihr spirituelles Feuer prägen bis heute die mystische Atmosphäre dieser Stadt.
Konya trägt all das in sich: die Sufi-Tradition, die Geschichte der Liebe zu Gott und die Suche nach dem Wesentlichen.
Als ich schließlich den Sema, den Tanz der Mevlevi-Derwische, miterlebte, verstand ich, warum dieser Ort Menschen seit Jahrhunderten anzieht.
Es ist kein Tanz im herkömmlichen Sinn – auch wenn er oft so verstanden wird.
Der Sema ist eine Gebetsbewegung, eine kosmische Zeremonie, eine Hingabe. Er wird von einem Sufi-Orden ausgeführt, dessen Mitglieder – darunter auch viele junge Menschen – sich dem Weg der inneren Läuterung und göttlichen Liebe widmen. So wie auch der Derwisch auf meinem Bild.
Der Derwisch dreht sich nicht, um etwas vorzuführen, sondern um sich selbst zu ent-grenzen. Nicht, um etwas zu erreichen, sondern um loszulassen.
Mit einer Hand geöffnet zum Himmel und der anderen zur Erde wird er zur lebendigen Brücke zwischen beiden Welten. Sein weißes Gewand – symbolisch für Reinheit und das Ablegen des Ego – dreht sich wie ein stiller Atemzug.
Der hohe, braune Filzhut (Sikke) steht für den eigenen Grabstein – das Ablegen des weltlichen Seins.
In seinem kreisenden Rhythmus scheint er aufzugehen in etwas, das keine Worte braucht.
Mich berührte vor allem der sanfte, hingebungsvolle Blick des Jungen: nicht nach außen gerichtet, sondern in sich versunken. Verbunden im Herzen mit etwas Größerem – etwas, das der Verstand nicht begreifen kann.
Das Bild möchte ich Rumi widmen. Er prägte mich mit einem Zitat, das mich bis heute begleitet:
„Du bist kein Tropfen im Ozean. Du bist der gesamte Ozean in einem Tropfen.“
Jeder Mensch trägt eine eigene Welt in sich, ein eigenes Universum, eine Tiefe, die weit über das hinausgeht, was wir verstehen können.
Wir spiegeln mit unserem Sein das gesamte Universum – nicht als getrenntes Individuum, nicht als einzelner Tropfen, sondern als Teil des Ganzen.
Die Sufi-Lehre sagt, dass der Weg zu Gott durch das Herz führt – und dass alles, was wir suchen, bereits in uns wohnt. Nicht als Besitz, sondern als Bewusstsein.
Konya hat mich daran erinnert, wie sehr wir uns im Außen verlieren – und wie heilsam, tief und getragen die eigene Mitte sein kann.
So wie die Derwische sich drehen, um in ihrer Mitte anzukommen, so drehen wir uns durchs Leben, bis wir verstehen, dass die Antwort nicht im Außen liegt, sondern im Inneren.
Danke, dass du dir Zeit genommen hast,
meine Reisen, Begegnungen und Geschichten mit mir zu teilen
Wenn du möchtest, dass diese Augenblicke dich ein Jahr lang begleiten,
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